Das Glasbild von HAP Grieshaber


Ein Götterpaar für die Peter-Rosegger-Schule

Das Glas-Mosaikbild von HAP Grieshaber

 

In der Peter-Rosegger-Schule steht ein Glas-Mosaikbild von HAP Grieshaber.

HAP Grieshaber (1909 – 1981) ist ein berühmter Reutlinger Künstler.

Auf dem Bild ist eine Geschichte aus der griechischen Götterwelt zu sehen:

Der Meeresgott Poseidon hält in seiner rechten Hand einen Dreizack. Mit seiner linken Hand spielt er auf einer Flöte. Neben Poseidon sitzt seine Frau Amphitrite.
Ihr Kopf ist mit einer schönen Krone geschmückt. Um beide herum schwimmen Fische. Die vielen grünen und blauen Farben zeigen die Unterwasserwelt.

Das Glasbild ist 4,50 m breit und 4,50 m hoch.

Das Kunstwerk ist ein großes Mosaik aus Glasbausteinen. In diese Steine kamen farbige Glaskristall-Steinchen, die mit Kunstharz befestigt wurden.

Das Unterwasser-Bild mit dem Götterpaar wurde aus vielen solchen Glasbau-Steinen zusammengesetzt.

HAP Grieshaber hat 1959 das Kunstwerk für die Firma Heinzelmann geschaffen. Es stand in Fürstenfeldbruck, wo Heinzelmann eine Fabrik hatte.

1991 schenkte Herr Heinzelmann das Glas-Mosaikbild der Stadt Reutlingen.

Der Reutlinger Gemeinderat entschied, dass das Kunstwerk in der Peter-Rosegger-Schule in der Sonnenstraße eine neue Heimat bekommen sollte. Es musste aber noch repariert werden. Dann wurde es im unteren Foyer wieder aufgebaut.

Und so kam dieses tolle und ganz besondere Kunstwerk 1996 in unsere Schule.

Es steht vor einer riesigen Fensterwand. An sonnigen Tagen funkeln die Mosaiksteinchen um die Wette und das Glas-Mosaikbild strahlt in bunten Farben.

 



(aus der Festschrift zur Einweihung des neuen Schulhauses in der Sonnenstraße 1996)

Der Gott Poseidon sitzt mächtig im Bild; als Attribut seiner Macht über die Meere und deren Bewohner hält er mit seiner rechten Hand den Dreizack aufgerichtet neben sich. Er spielt auf einer Flöte, was für ihn eigentlich nicht typisch ist, sondern für eine andere griechische Gottheit: Pan, in dessen Gestalt sich Grieshaber immer wieder selber gesehen hat.

Neben dem Meeresgott sitzt dessen Gemahlin Amphitrite; ihr Haupt ist mit einer reichen Krone geschmückt. Beide werden umspielt von Fischen und allerlei Meerestieren, die zu der göttlichen Musik zu tanzen scheinen: eine Unterwasserszene also, daher auch die überwiegend blauen und grünen Farbtöne. Wenn die Sonne das Bild erfaßt, leuchtet und schimmert es wie kristallklares Wasser im gleißenden Sonnenlicht.

Das 4,50x4,50 m große Glasbild von HAP Grieshaber, jetzt Blickfang und besondere Attraktion der neuen Peter-Rosegger-Schule, befand sich bis 1991 in Fürstenfeldbruck auf dem Gelände einer Fabrik der Reutlinger Textilfirma Heinzelmann. Für diesen Standort hatte es Grieshaber 1959 geschaffen; dort stand es allerdings als Objekt im Freien. Man konnte darum herumgehen und es von allen Seiten betrach- ten. Da das Bild allen Witterungseinflüssen und Zerstörungen ausgesetzt war, bot die Glaswand bei ihrem Abbau einen erbärmlichen Eindruck. Dennoch: wegen der Bedeutung und Schönheit des Kunstwerkes ging man sehr sorgfältig vor. Die Glasgestaltungsfirma Derix in Rottweil, die vor über drei Jahrzehnten mit Grieshaber zusammen das Werk auf- gebaut hatte, zerlegte das Bild in seine einzelnen Elemente und lagerte diese in Rottweil in Kisten, bis alle Entscheidungen gefallen waren: Herr Hermann Heinzelmann schenkte das Mosaik seiner Heimatstadt; der Gemeinderat stimmte der Aufstellung in der Peter-Rosegger-Schule zu; die gründliche Restaurierung konnte beginnen.


Grieshaber hatte die Glaskristallmosaiksteine in Industrieglasbausteinen platziert und mit Kunstharzmasse verfüllt. Immer wieder hat es den Künstler gereizt, neue Techniken und Materialien so zu verwenden, dass künstlerisch bedeutende Lösungen entstanden. Diese Glasbausteine hatten so stark gelitten, dass sie entfernt werden mussten. Die Mosaiken selber waren jedoch recht gut erhalten: nur zehn der 196 Teile mussten erneuert werden. Anstelle der Glasbausteine, die in der ursprünglichen Form nicht mehr hergestellt werden, sind die einzelnen Mosaikfelder in Elemente aus Sicherheitsglas gebettet und in ein Stahlgerüst eingesetzt. Die alten Proportionen blieben dabei gewahrt, ebenso die Abstände der Mosaikfelder voneinander.


Viele haben an dem Wiedererstehen dieses monumentalen, einzigartigen Kunstwerkes mitgewirkt. Zunächst der Stifter selber. Herr Heinzelmann hat nicht nur ein großzügiges Geschenk gemacht, sondern hat alle Überlegungen und Planungen mit großem Interesse verfolgt. Die Herren Bürgermeister Prof. Engels und Schuler und der damalige Leiter des Schul-, Kultur- und Sportamtes, Herr Dr. Ostberg, sowie der Reutlinger Gemeinderat haben alle Wege geebnet, damit das verjüngte Kunstwerk seinen idealen Platz bekommen konnte. Als kritische Gesprächspartner und Ratgeber von Frau Derix- Kessler begleiteten Planung und Arbeiten die Nachlassverwalterin des Grieshaber-Erbes, Frau Margot Fürst, die Malerin Gisela Sternstein, vom Landesdenkmalamt Stuttgart dessen Präsident Herr Prof. Dr. Gebessler und vor Ort bei allen wichtigen Entscheidungen Herr Reichwald sowie -last but not least - der vom Projekt begeisterte, alle Schwierigkeiten beseitigende Architekt, Dipl.-Ing. Wendolin Breithaupt. So konnte die Firma Derix mit großem Ideenreichtum und mit Bravour das Kunstwerk  Grieshabers einziges dreidimensionales Glasmosaik wiedererstehen lassen. Dessen Strahlkraft wirkt an dem neuen Standort in der Durchsicht statt in der alten Aufsicht vielleicht noch intensiver; besonders dann, wenn am Mittag die Sonne hinter dem Bild steht und jedes Mosaiksteinchen zum Funkeln bringt.

 

Dr. Beate Gruben-Thurow    Städtisches Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen